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Rot-Grün lässt Gleisüberbauungen prüfen

Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen wollen, dass in Hamburg auch an eher ungewöhnlichen Orten neue Wohnungen entstehen. Mit einer Initiative zur Bürgerschaftssitzung fordern sie mehr Kreativität bei der Raumgewinnung und schlagen vor, ähnlich wie bei den A7-Deckeln, auch die Überbauung von Gleisanlagen zu verfolgen (siehe Anlage).
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Dazu Olaf Duge, Sprecher für Stadtentwicklung und Wohnen:

„Innenverdichtung ist eine echte Chance zum Vorteil der Menschen in den Stadtteilen. Nicht nur um mehr Wohnraum an attraktiven Orten zu schaffen. Sie ist ebenso eine Chance, um neue Ideen zur Mehrfachnutzung bereits bebauter Flächen umzusetzen. Wir wollen durch Gleisüberbauungen oder Überbauungen von tieferliegenden Straßen auch getrennte Quartiere wieder zusammenzuführen, neue Frei- und Grünräume und neue Wegeverbindungen schaffen. Diese Chance wollen wir zusammen mit Bürgerinnen und Bürgern beim Schopfe packen, um Stadtleben noch lebenswerter zu machen.“

Dazu Dirk Kienscherf, Fachsprecher Stadtentwicklung der SPD-Bürgerschaftsfraktion:

„Bei der Entwicklung des innerstädtischen Bereichs muss auch die Erschließung neuer Räume geprüft werden, deren Nutzung bisher aufgrund hoher Kosten nicht möglich erschien. Zum Beispiel an und über Gleisanlagen verbergen sich Potentiale für neue Räume. Einzelne Trassenabschnitte könnten mit einem Deckel versehen werden. Auf der neu geschaffenen zweiten Ebene über den Gleisen würden erhebliche Raumpotentiale für Wohnen und Arbeit, aber auch für Freizeit, Erholung und Grün entstehen. Außerdem kann durch eine Überdeckelung ein zerschnittener Stadtraum wieder zusammenwachsen. Aus einstigen reinen Verkehrsflächen können so Flächen für Mobilität, Wohnen und Freizeit werden. Durch die deutlichen Bodenwertsteigerungen der letzten Jahre und der weiterhin großen Nachfrage ergibt sich jetzt erstmals die Möglichkeit, auch solche komplexe Bauvorhaben zu realisieren, wenn man die erhöhten Realisierungskosten beim Kaufpreis beziehungsweise Nutzungsrecht gegenrechnen kann. Diese weitere Form der Innenentwicklung schafft dringend benötigten Wohnraum, stärkt die Lebensqualität in der Stadt. Wir wollen, dass hier kreative Lösungen zusammen mit den Quartieren vor Ort entwickelt werden. Andere Metropolen in Europa wie Wien oder Paris zeigen, dass dies möglich ist. Gerade die aktuellen Veröffentlichungen zu den weiter steigenden Immobilienpreisen zeigen deutlich, dass wir weiterhin alles daran setzen müssen, neuen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und dabei zugleich auch die Qualität von Quartieren zu erhöhen. Viele Beispiele zeigen, dass dies in Hamburg gelingt. So entstehen neue attraktiven Freiräume und quartiersbezogene Angebote. Durch eine behutsame qualitätsorientierte Innenentwicklung in Form von Baulückenschließungen, Ensembleergänzungen, Gebäudeaufstockungen, Parkplatzüberbauungen und Altlastensanierungen schaffen wir zusätzlichen Wohnraum in schon heute gut erschlossenen und nachgefragten Quartieren.“

Hintergrund:
Hamburg wächst – um etwa 10.000 Menschen jedes Jahr. Die Demografen rechnen mit 70.000 zusätzlichen Haushalten in Hamburg bis 2030. Grundvoraussetzung für eine solche positive Entwicklung ist, dass für den steigenden Bedarf zusätzliche Arbeitsplätze und bezahlbare Wohnungen geschaffen werden. Hamburg hat daher seit 2011 – neben diverse Maßnahmen zur deutlichen Stärkung des Mieterschutzes – den Wohnungsbau erheblich gesteigert:

In den Jahren 2011 bis einschließlich 2016 wurden Genehmigungen für knapp 60.000 Wohnungen von den Bezirken erteilt. Allein vergangenes Jahr wurden mit Baugenehmigungen die Voraussetzungen für 12.471 neue Wohneinheiten geschaffen. Außerdem wurden Förderzusagen für rund 15.000 Mietwohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen ausgesprochen. Knapp 30.000 neue Wohnungen wurden von 2011 bis 2015 fertiggestellt, über 7.300 davon im geförderten Wohnungsbau. 2014 wurden knapp 7.000 Wohnungen fertiggestellt, 2015 waren es über 8.500. 2015 wurden knapp 2.200 geförderte Mietwohnungen mit Mietpreis- und Belegungsbindungen fertiggestellt, 2016 waren es über 2.400. Damit wurden auch diese Zielzahlen erreicht, und die Tendenz geht weiter nach oben.

Gleichwohl bleibt die Lage auf dem Wohnungsmarkt angespannt. Rot-Grün hat daher sein ambitioniertes Wohnungsbauprogramm aufgestockt. Mit dem neuen „Bündnis für das Wohnen“ und dem „Vertrag für Hamburg“ wurde vereinbart, in enger Zusammenarbeit mit den Bezirken und der Wohnungswirtschaft die Voraussetzungen für den Bau von künftig 10.000 – statt wie bisher 6.000 – Wohneinheiten im Jahr zu schaffen. Dabei wurde mit 3.000 öffentlich geförderten Wohnungen das Programm des sozialen Wohnungsbaus noch einmal um 50 Prozent gegenüber den letzten Jahren gesteigert.

Um der erhöhten Wohnraumnachfrage gerecht werden zu können, müssen für den Wohnungsneubau weitere Flächenpotentiale in größerem Umfang erschlossen werden. Die stark angestiegenen Grundstückspreise sind ein Indiz für das knappe Angebot an Wohnungsbauflächen. Aufgrund des großen Flächenbedarfs ist auch die Erschließung neuer, bisher unbebauter Flächen außerhalb der inneren Stadt notwendig, wobei das Grüne Netz innerhalb des Zweiten Grünen Ringes nachhaltig gesichert und weiterentwickelt wird.

Oberste Priorität haben daher weiterhin Projekte der Innenentwicklung durch Umnutzung von Flächen, Baulückenschließungen, Überbauungen von nicht mehr benötigten Stellplatzflächen, Dachgeschossaufstockungen und -ausbauten und eben auch Gleisanlagen. Diese Innenentwicklung wird ergänzt durch die Steigerung der Frei- und Grünraumqualitäten, so dass Hamburg auch zukünftig seinen grünen Charakter erhalten und sogar noch verstärken wird. Insgesamt verfügt Hamburg heute über mehr Landschafts- und Naturschutzgebiete als jemals zuvor.

Im Rahmen des Konzepts „Mehr Stadt in der Stadt“ wurde und wird durch vielfältigste Projekte diese Innenentwicklung gefördert. Die neue Mitte Altona, der Altonaer A7-Deckel, die neue Nord-Süd-Achse in Wilhelmsburg (Elbquartier) sind herausragende Beispiele für die Schaffung neuer Wohnungsbaupotentiale im Herzen unserer Stadt.

Die Hamburgische Bürgerschaft hat darüber hinaus Anfang des Jahres auf Initiative der rot-grünen Koalition den Senat ersucht, die vielen Altlastenflächen in der Stadt zu prüfen (Drs. 21/7432).

 


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