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Senator Horch bei der Jahresschlussversammlung der Handwerkskammer Hamburg

Es gilt das gesprochene Wort Senator Horch bei der Jahresschlussversammlung der Handwerkskammer Hamburg Sehr geehrter Herr Katzer, sehr geehrter Herr Bürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren, Das Hamburger Handwerk ist mit seinen rund 15.000 Betrieben, mehr als  120.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 13,5 Mrd.
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Euro ein wichtiger Bestandteil der Hamburger Wirtschaft. Damit habe ich den ersten und einzigen Punkt an Statistik gleich abgehakt. Denn warum sollten ich Ihnen Zahlen nennen, die Sie alle ohnehin kennen?

Für das Handwerk bewegt sich viel in Hamburg – mit dem Masterplan Handwerk haben Senat und Handwerkskammer eine Strategie erarbeitet, die in jedem Jahr weiterentwickelt wird. Zukunft braucht Strategie, denn vieles verändert sich für die Wirtschaft insgesamt und damit auch für die Unternehmen in Hamburg.

Außerdem wächst Hamburg, wir brauchen Wohnraum, aber auch Flächen für die Ansiedlung von Betrieben. Auch das bedarf einer klugen Strategie.

Meine Damen und Herren, am 20. Januar 2017 haben wir gemeinsam mit der Handwerkskammer Hamburg und der Sprinkenhof GmbH den ersten Spatenstich für den Bau des neuen Gewerbehofes am Offakamp gelegt – der "Meistermeile".

Im März werden wir Richtfest feiern und Ende 2018 / Anfang 2019 werden die ersten Mieter einziehen.

Meine Damen und Herren, wir haben unser Wort gehalten, einen der modernsten Gewerbehöfe Norddeutschlands in Innenstadtlage für Handwerkerinnen und Handwerker zu schaffen. Liebe Handwerkerinnen und Handwerker, machen Sie bitte auf Ihren Kanälen Werbung für die Meistermeile – denn ich bin überzeugt, damit machen wir Ihnen ein gutes Angebot! Derzeit sind noch Flächen frei und ich wünsche mir, dass der Gewerbehof zum Einzug voll ausgelastet ist.

Auch im Bereich der flächenbasierten Wirtschaftsförderung sind wir nicht stehen geblieben, sondern haben die ehemalige HWF zur   "one-stop-agency" ausgebaut. Seit dem 1. Oktober 2017 heißt die Wirtschaftsförderungsgesellschaft nun "Hamburg Invest" und bündelt darunter verschiedene städtische Unternehmen. Wichtig für die Handwerksbetriebe ist, dass es dort nun Beratung, Flächensuche und städtische Gewerbeflächen aus einer Hand gibt. Dies verkürzt weitere Wege und bietet einen besseren Service für die Handwerksbetriebe.

Meine Damen und Herren, digitale Transformation ist längst kein abstrakter Begriff mehr – sie ist im Alltag der Bürgerinnen und Bürger und der Unternehmen längst angekommen.

Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, dass sich einige immer noch fragen, ob sie daran teilnehmen wollen oder nicht.

Klaus Kleinfeld, Chef des Aluminium Konzerns ALCOA hat es in einem Interview so ausgedrückt:

"Alle, die nicht schnell genug denken und adaptieren werden Verlierer sein."

Meine Damen und Herren, das Zauberwort ist "Innovation" - es ist nicht nur im Namen meiner Behörde enthalten, es ist auch für den Hamburger Senat von  großer Bedeutung.

Und für Sie alle sollte das auch so sein!

Innovative Unternehmen sind ein wichtiger Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit und den langfristigen Erfolg eines Standortes, aber auch für die Unternehmen selbst. Äußerst erfreulich ist, was wir hier erreicht haben:

Seit 2014 wurde der Forschungsstandort Hamburg deutlich gestärkt.

Das Zentrum für Angewandte Luftfahrtforschung hat im Zuge der Inbetriebnahme des Tech Centers seine Aktivitäten ausgeweitet, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat im November 2017 zwei neue Institute in den Räumlichkeiten des ZAL TechCenters eröffnet, und mit dem Laser Zentrum Nord und dem Centrum für Angewandte Nanotechnologie werden zwei Hamburger Forschungseinrichtungen Teil der Fraunhofer-Gesellschaft.

Außerdem ist Hamburg erfolgreich mit seiner beispielhaften Clusterpolitik. Seit 2016 wurden drei vielversprechende Clusterbrückenprojekte realisiert, um Innovations- und Wertschöpfungspotenziale auch in den Überschneidungsfeldern zwischen den Clustern besser zu erschließen, beispielsweise zwischen Gesundheitswirtschaft und Life Science.

Meine Damen und Herren, all das setzt voraus, dass ausgebildet wird am Standort – denn ohne Fachkräfte funktioniert die beste Strategie nicht.

Ich weiß, dass es gerade die Handwerksbetriebe sind, die eine große Leistung beim Thema Ausbildung erbringen.

Jedes Jahr fangen rund 2.500 neue Azubis eine Ausbildung im Hamburger Handwerk an.

Die starke Anziehungskraft der Stadt Hamburg auf junge kreative Menschen und der damit zu erwartende Bevölkerungsanstieg sowie  die voranschreitende Alterung einer überdurchschnittlich solventen Bevölkerung sind allesamt Entwicklungen, die dem Hamburger Handwerk neue Perspektiven eröffnen. Trotz alledem stellen eine niedrige Geburtenrate, der Mangel an Auszubildenden – die aufgrund besserer Verdienstmöglichkeiten überwiegend in der Industrie ihre Chance suchen  – und das altersbedingte Ausscheiden langjähriger erfahrener Leistungsträger Probleme für das Hamburger Handwerk dar.

Die Zukunftsfähigkeit des Handwerks in Deutschland hängt entscheidend von der Qualifikation seiner Fach- und Führungskräfte ab.

Wir brauchen nicht nur Auszubildende.

Wir brauchen den "Meister" zur Sicherung von Qualität und Ausbildung im Handwerk, aber auch für den Generationswechsel bei der Weiterführung der Handwerksbetriebe. Für Talente und Nachwuchskräfte im Handwerk müssen wir daher Anreize schaffen, sich zu Meisterinnen oder Meistern weiterzubilden. Da ist es nur fair, wenn die berufliche Aufstiegsfortbildung mit der akademischen Bildung gleichgestellt wird und junge Menschen, die einen höheren beruflichen Abschluss anstreben, nicht mit deutlich mehr Kosten und Gebühren belastet werden wie jene, die sich für den akademischen Weg entscheiden. Bisher deckt die Förderung durch das sogenannte Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz, auch AFBG genannt, nur einen Teil der Kosten ab.

Wir haben ein klares Ziel: Die Meisterausbildung soll wie ein Studium gebührenfrei sein. Der Bund trägt dazu seinen Anteil bei. Und wir werden das auch mit Landesmitteln unterstützen. Wir erwarten dann aber auch von den Kammern, dass sie die Gebühren nicht erhöhen. Denn die finanzielle Unterstützung soll auch bei zukünftigen Meistern ankommen. Hamburg wird sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass es im Rahmen des AFBG eine bundeseinheitliche Lösung gibt, die angehende Meisterinnen und Meister z.B. bei den Lehrgangs- und Prüfungsgebühren deutlich stärker entlastet. Sollte dies gemeinsam mit den anderen Bundesländern und der neuen Bundesregierung nicht gelingen, wird Hamburg für Handwerks- und Industriemeister bis zum Jahresende 2018 ein eigenes Fördermodell einführen.

Meine Damen und Herren, konkrete Anwendungen und geeignete Qualifizierungsmaßnahmen für die Belegschaft zeigen die Mittelstand 4.0-Kompenzzentren und Mittelstand 4.0-Agenturen.

Digitalisierung ist der Grundstein zu langfristigem Erfolg der deutschen Wirtschaft. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen sind digitale Kompetenzen ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.  Die digitale Kompetenz ist eine der acht Kernkompetenzen, die die EU für ein lebenslanges Lernen formuliert hat.

Unternehmen, die die Chancen der Digitalisierung nutzen, werden sich einen (internationalen) Wettbewerbsvorteil erarbeiten können. Sie werden flexibler, schneller, ressourceneffizienter und damit auch kostengünstiger die individuellen Kundenwünsche bedienen können.

Kompetenz für die Zukunft beweist ein Standort durch seine Fähigkeit zum Wandel.

Die Digitalisierung bietet Chancen für Wirtschaftskraft und Kommunikation. Ziel des Senats ist es, technische Innovationen für die Entwicklung der Freien und Hansestadt Hamburgs als Digitale Stadt nutzbar zu machen und zugleich Hamburg als Digitale Stadt international zu positionieren.

Das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Hamburg richtet sich insbesondere an kleine und mittlere Unternehmen in der Metropolregion Hamburg. Es informiert zum Einsatz von digitalen Lösungen in unterschiedlichen Unternehmensbereichen.

Dabei steht insbesondere die Bereitstellung von Informationen zur Gestaltung und Umsetzung digitalisierter Geschäftsprozesse in Lieferketten und -netzwerken im Mittelpunkt. Damit bietet das Projekt allen assoziierten Branchen, wie Industrie, Dienstleistung, Logistik und Handel die Möglichkeit zur Partizipation.

Meine Damen und Herren, bei den Zukunftsthemen müssen wir grundlegend denken, Industrie, Handwerk und Mittelstand werden ihre Geschäftsmodelle, ihr Verständnis von Technologie, Arbeitsprozesse, Entwicklungsverfahren und Wertschöpfungsketten tiefgreifend verändern müssen, wollen sie im internationalen Wettbewerb weiter eine wichtige Rolle spielen.

Wir wollen als Norden die erste Region sein, die nur mit erneuerbaren Energien auskommt. Wir wollen ein Testlabor sein für moderne und nachhaltige Mobilität. Der Standort sein, an dem die sichersten, umweltfreundlichsten automatischen Autos fahren. Hier sollen die besten Drohnen erprobt werden. Lassen Sie uns alle gemeinsam die Metropole der Zukunft definieren. Wir wollen Leben, Wohnen und Arbeiten noch besser miteinander verbinden.  Warten wir nicht ab, sondern setzen uns gemeinsam an die Spitze der Bewegung!

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns die Herausforderungen gemeinsam anpacken.

Denn wir wollen nicht nur den Masterplan- sondern auch die Erfolgsgeschichte des Hamburger Handwerks und damit des Standortes fortschreiben.


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